William Caslon (1692-1766) war ein britischer Graveur und Schriftentwerfer, der 1722 die gleichnamige Schrift Caslon entwickelte und die Schriftgießerei Caslon in London gründete, die über 200 Jahre Bestand hatte.
Die Caslon steht stilistisch am Beginn der Barock-Antiqua und wird oft als die erste Schriftfamilie mit englischem Ursprung bezeichnet. Vor der Caslon mussten englische Setzer Schriften aus anderen Ländern, meist den Niederlanden, kaufen. Die Schrift orientiert sich sowohl an niederländischen Meistern, wie den Schriften Christoffel van Dijcks (1607–1669), als auch an der Romain du Roi, der Schrift Ludwig XIV., die von französischen Gelehrten entwickelt wurde.
1706 begann William Caslon eine Lehre als Graveur und eröffnete 1716 in London eine Firma, die Waffen gravierte und für Buchbinder Werkzeuge schärfte. Dadurch kam er in Kontakt mit dem Druckgewerbe. 1721 erhielt er den Auftrag, für die Society for Promoting Christian Knowledge (anglikanische Missonsgesellschaft) arabische Schriften anzufertigen. Nach Unterstützung und Ermutigung durch den Drucker William Bowyer (1699–1777) eröffnete er 1725 seine eigene Schriftgießerei. Bowyer war es auch, der als Erster die von William Caslon 1722 geschnittene Antiqua für die Herausgabe der Schriften des Juristen John Selden verwendete. 1734 brachte Caslon sein erstes Schriftprobenblatt mit insgesamt 47 von ihm hergestellten Schriftschnitten heraus.
Die Lesbarkeit und der besondere Ausdruck seiner Schriften führten dazu, dass die berühmtesten Drucker im damaligen England ihn und seine Arbeit besonders zu schätzen wussten. Außerdem schaffte es William Caslon durch die Qualität seiner Schriften die englischen Drucker von den Importen der holländischen Schriftengießer, die zu jener Zeit als führend galten, unabhängig zu machen, was natürlich die Verbreitung der Caslon in England begünstigte. Sie fand allerdings auch in Amerika bald Anerkennung. 1776 wurde der Erstdruck der Unabhängigkeitserklärung der USA mit der Caslon ausgeführt. Nachdem am Ende des 18. Jahrhunderts das Interesse an den Schriften William Caslons zunächst zurück gegangen war, wurde sie in der Mitte des 19. Jahrhunderts wiederentdeckt.
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