Li shu   Kanzleischrift, offizielle Schrift
Li shu („Kanzleischrift“) ist ein chinesischer Schreibstil, der aus der Pinselschrift der späten Zhou- und Qin-Dynastien (ca. 300–200 v. Chr.) hervorgeht. Es ist eine der fünf Hauptkategorien der chinesischen Kalligrafie und stellt einen informelleren Stil dar als das Zhuàn shu („Siegelschrift“), ​​das besser für Inschriften geeignet war und auch in rituelle Bronzen gegossen wurde. Frühe Beispiele für Li shu stammen aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. Am häufigsten wurde der Schrifttyp in der Han-Dynastie (206 v. Chr. - 220 n. Chr.) verwendet, aus der viele Beispiele, mit einem Pinsel auf Bambusstreifen geschrieben oder in Stein gemeißelt, erhalten sind. Am Ende der Han-Dynastie entwickelte sich das Li shu zum geschmeidigeren und fließenderen Kai shu.

     Obwohl das Li shu etwas quadratisch und eckig ist und die horizontalen Striche stark betont, handelt es sich doch um einen kalligraphischen Schrifttyp, bei dem der flexible Pinsel voll genutzt wird, um die Dicke der Linie zu modulieren. Die Zeichen sind geradlinig strukturiert, eher breiter als hoch, mit oft geschwungen auslaufenden Einzelstrichen, insgesamt ungefähr gleich groß und gleichmäßig innerhalb einer Komposition verteilt. Die Konstruktion der Zeichen und der einzelnen Striche variiert allerdings stark.

     Die Kanzleischrift ist in der Qin-Dynastie als Abwandlung der Siegelschrift entwickelt worden, um mit einer schneller auszuführenden Schrift die Menge an offiziellen Dokumenten in den Kanzleien besser bewältigen zu können.
Wegen ihrer guten Lesbarkeit wird die Kanzleischrift in China bis heute zum Beispiel für Überschriften, auf Plakaten und in der Werbung eingesetzt.

Jiagu wen  (Knochenschrift)
Gu wen  (Metallschrift)
Zhuan shu  (Siegelschrift)
Kai shu  (Normalschrift)
Cao shu  (Grasstil)
Xing shu  (Kurrentschrift)