Walbaum
Deutsche Klassizistische Antiqua, 18./19. Jh.
Der Pfarrerssohn und Autodidakt Johann Gebhard Justus Erich Walbaum (1786-1837) war ein deutscher Noten- und Kupferstecher, Stempelschneider, Schriftgießer und Schriftentwerfer. Ab 1796 betrieb er eine eigene Schriftgießerei in Goslar, die er 1803 nach Weimar verlegte.
Die um 1800 entstandene Walbaum-Antiqua gilt als der bedeutendste spezifisch deutsche Beitrag zum Schriftklassizismus und neben der Bodoni und der Didot als eine der bedeutendsten klassizistischen Antiquaschriftarten. Im Vergleich zu diesen ist sie jedoch als Textschrift besser lesbar und läuft etwas schmaler als die Bodoni, besitzt weniger Kontrast und hat einen stärkeren Grund- und Haarstrich. Eine Besonderheit ist beispielsweise die fehlende Grundserife des kleinen ‚b‘. Sie wird als breitlaufend, klassisch, offen, elegant, herrschaftlich, großzügig, seriös und leicht „quadratisch“ wirkend beschrieben. Von allen klassizistischen Antiquaschriftarten gilt sie als die „humanste“. Während die Bodoni und die Didot als die authentischste Ausdrucksform der Ära der Französischen Revolution bekannt sind, wird die Walbaum eher als deutsche Interpretation des Klassizismus angesehen. Ebenfalls um 1800 entwarf er auch die Walbaum-Fraktur.
"Zeitungen verleiht die Walbaum Autorität und Glaubwürdigkeit. Insbesondere die Walbaum-Antiqua und die Walbaum-Kursive sind Beispiele für die Stellung Walbaums in der Geschichte der Typografie in Deutschland." (Braunschweigisches Biographisches Lexikon)
 
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