Kharosthi (Gandhari)
Das unten abgebildete Kharosthi Alphabet des antiken Indien taucht während des 3. Jh. v.Chr. auf und ist sehr wahrscheinlich vom Aramäischen Alphabet abgeleitet. Man nimmt an, dass die Schrift bereits spätestens mit den persischen Eroberungen im 5. Jh. v.Chr. in die Zentralasiatisch/Indische Region gelangt ist. Allerdings konnten bis heute keine Zwischenstufen von der aramäischen bis zu der voll ausgebildeten, an die Sprachen Gandhari und Sanskrit angepasste, Kharosthi-Schrift gefunden werden. Das wiederum stützt die Theorie einiger, wonach die Schrift sich nicht im Laufe der Zeit schrittweise aus einem Vorgänger entwickelte, sondern von einer einzelnen Person in der bereits für den indischen Raum angepassten Form geschaffen wurde und sich erst daraufhin etablierte.
Die Schrift wurde hauptsächlich im Gebiet des nördlichen Pakistan, im östlichen Afghanistan sowie den angrenzenden Gebieten des heutigen Indien bis etwa zum 4. Jh. n.Chr. benutzt. Im Gegensatz zu der in etwa zeitgleich entstandenen Brahmi-Schrift, aus welcher viele der modernen Schriften Indiens und Südwest-Asiens hervorgegangen sind, starb die Kharosthi-Schrift bereits in der Antike aus und hat keine nachweisbaren Abkömmlinge im Indischen Raum.
Die Kharosthi-Schrift wurde im 19. Jh erstmals unter anderem von James Prinsep entziffert. Seit dem wurden mehrere weitere Funde dieser Schrift gemacht, die zu einem heute besseren Verständnis der Schrift beitrugen.
Kharoshti ist ein syllabisches Alphabet (Silbenalphabet) mit einem inhärenten a-Vokal. Andere Vokale werden durch diakritische Zeichen angezeigt. Die Schrift wird von rechts nach links in horizontalen Linien geschrieben. Mit Kharosthi wurden die Sprachen Gandhari und Sanskrit geschrieben.
(Vergleiche auch die Karosthi von 50 v.Chr., ein Vorläufer der türkischen Orchon-Runen.)

 

Vokale
ko ke ku ki a



 
         
ña   ja cha ca
 
         
ņa ḍha ḍa ţha ţa
         
na dha da tha ta
         
ma bha ba pha pa
         
  va la ra ya
 
         
  ha za şa śa
 
         
      ṭha ḱa
     
  gha ga kha ka



Zahlen
1000 100 20 10 4 3 2 1
1000 100 20 10 4 3 2 1



Interpunktionen

2-5. Jh. v. Chr., Yingpan, Östliches Tarim-Becken,
Xinjiang Museum