Gotische Minuskel 12.-16. Jh.
textura

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Die Textur oder Textura, auch Gitterschrift genannt, zählt zu den Gebrochenen Schriften. Diese Minuskelschrift entstand im 12. Jh. in Nordfrankreich zur Zeit der Gotik, daher wird sie oft auch als Gotisch oder Gotische Minuskel(schrift) bezeichnet. Die Textura ist die am stärksten stilisierte Variante der gotischen Schriften, welche für die höchste Textebene (z.B. Missale oder Bibelhandschrift) verwendet wird. Bei der Textura kommt es zu einer vollständigen Brechung der Bögen. Die Textura hat ihren Namen, weil sowohl die Buchstaben, als auch die Zeilen bei Texturatexten mit nur geringem Abstand geschrieben wurden, dadurch entstand ein sehr dunkles Schriftbild, ein „Buchstabenteppich“ (Textur = Gewebe). Seit dem 14. Jh. wird sie in ihrer strengsten Form auch bei Inschriften gebraucht. Brechung und Bogenverbindung sind hier vollständig ausgeführt, die kreisförmigen Buchstabenteile erhalten eine sechseckige, wabenförmige Struktur und auch die Kontraktionskürzungen sowie die Zeichen für -us etc. kommen häufig vor. Besonders beliebt ist sie im 15. Jh. und wird dann im 16. Jh. allmählich von der Antiqua (erneuerte Capitalis) verdrängt. Das enge, dekorative Schriftbild ist für an moderne Drucke gewöhnte Augen oft schwer lesbar.