Albanisch
Vellara Alphabet  vor 1801

Das Vellara-Alphabet ist eine albanische Schrift, die zum ersten Mal im frühen 19. Jh. dokumentiert worden ist, vermutlich aber mindestens aus dem 18. Jh. stammt. Benannt ist die Schrift nach dem griechischen Arzt, Lyriker und Schriftsteller Ioannis Vilaras* (auf Albanisch Jan Vellara), dem Autor eines Manuskriptes, das in dieser Schrift geschrieben ist. Vilaras Brief mit der Unterschrift "30 Oktomvrit 1801 Vagopolja, mik tëndë Jatroi Vellara" (30. Oktober 1801, Vokopolja, Ihr Freund Doktor Vellara) zeigt, dass das Alphabet zu dieser Zeit noch mindestens einem anderen Menschen bekannt war und von diesem gelesen werden konnte. Tatsächliches Alter und Urheber des Alphabetes sind bislang unbekannt.

Ioannis Vilaras hatte 1789 in Padua Medizin studiert und lebte später in Venedig. 1801 wurde er Arzt von Veli* (um 1771-1822; 1806-1812 Pascha von Morea), dem Sohn von Tepedelenli Ali Pascha* (um 1741–1822). Vilaras, der in erster Linie als griechischer Dichter in Erinnerung geblieben ist, war zwar kein albanischer Muttersprachler, sprach aber fließend albanisch, da er einige Zeit in Südalbanien gelebt hatte.

Die Handschrift von Vilaras wurde 1819 von François Pouqueville* (1770–1839), französischer Konsul in Janina während der Regierungszeit von Ali Pascha, der Bibliothèque Nationale in Paris geschenkt (supplément grec 251, f. 138-187*). Pouqueville war sich des Wertes des Werkes bewusst und bemerkte: "Je possède un manuscrit, une grammaire grecque vulgaire et schype qui pourrait être utile aux philologues." (Ich besitze ein Manuskript in vulgärem Griechisch und Albanisch, das für Philologen von Nutzen sein könnte.) Er entschied sich jedoch dafür, es nicht in seinen Reiseberichten zu veröffentlichen.
Die Seiten 137-226 enthalten Texte in albanischer Sprache. Die Seiten 137-138 eine Liste von Sprichwörtern in Neugriechisch und Albanisch. Die Seiten 138-187 in zwei Spalten pro Seite eine Sammlung grammatikalischer Anmerkungen sowohl in griechischer, als auch in albanischer Sprache, die wohl dazu dienten griechisch sprechenden Personen Albanisch zu lehren. Auf Seite 187 gibt es eine Liste mit Namen von Lebewesen. Seite 191 beginnt mit griechisch-albanischen Phraseologien. Auf Seite 217 gibt es ein Mini-Wörterbuch mit Baumnamen, menschlichen Körperteilen und Gemüsenamen. Das Alphabet ist auf Seite 219 abgebildet.

Das Alphabet besteht aus 30 Buchstaben, die sich überwiegend an die lateinische Schrift anlehnen, mit einigen Sonderzeichen für die besonderen Klänge des Albanischen.

Der erste Forscher, der sich mit der Schrift befasste, war der dänisch-französische Geograph Conrad Malte-Brun* in seiner Universal Geography von 1827. Er nahm an, dass es eine sakrale Schrift sei, die alten Alphabeten ähnele und nicht von Vellara entwickelt worden sei.
"Aber es gibt, wenn wir es so nennen dürfen, ein kirchliches Alphabet, das aus dreißig Buchstaben besteht; und viele von ihnen sind den phönizischen, hebräischen, armenischen oder palmyrenischen Schriftzeichen nicht unähnlich; wenige von ihnen haben Ähnlichkeit mit den bulgarischen oder moesogothischen, und vergeblich suchen wir nach pelasgischen, etruskischen oder runischen Buchstaben. Dieses Alphabet in seiner heutigen Form wurde wahrscheinlich von christlichen Priestern konstruiert, entweder im zweiten Jahrhundert, als das Christentum in das Land eingeführt wurde, oder im neunten, als die albanische Kirche mit der von Rom vereinigt wurde, ist aber offensichtlich von anderen, viel älteren Alphabeten abgeleitet, die zu einer Zeit in Illyrien, Makedonien und Epirus verwendet worden sind."
Während der Albanischen Nationalrenaissance wurden die Schrift in albanischen Kreisen bekannt und erstmals 1898 von der Albanien-Zeitschrift in Brüssel veröffentlicht.

 
Zeichen Wert   Zeichen Wert   Zeichen Wert   Zeichen Wert   Zeichen Wert   Zeichen Wert
Majuskel Minuskel     Maj. Min.     Maj. Min.     Maj. Min.     Maj. Min.     Maj. Min.  
A a a   E e ë   M m m   P p p   U u u   G g g
B b b   0 1 dh   N n n   R r r   4 5 th   Q q q
D d d   H h h   V v v   S s s   6 7 nj   J j j
C c ç   I i i   O o o   2 3 sh   X x x   F f f
* + *   L l l   K k k   T t t   Z z z   8 9 gj