Cherokee      19. Jh.
Nachdem von christlichen Missionaren im Jahre 1817 die erste Schule im Stammesgebiet der Cherokee errichtet worden war, kam ein Indianer namens Segwoya (sein amerikanischer, bzw. deutscher Name war Georg Guess) auf den Gedanken, eine Schrift für seine Muttersprache (AniTsalagi) aufzustellen. Sein Schriftsystem wurde im Jahre 1824 von den Missionaren "geprüft und für geeignet erklärt". Aber erst nachdem dies auch bei seinen Stammesgenossen Beifall fand, wurden mehrere Bücher in dieser Schrift gedruckt.
Es ist eine Silbenschrift zu der lateinische, griechische und neu entwickelte Zeichen verwendet wurden.

Zeichen Wert   Zeichen Wert   Zeichen Wert   Zeichen Wert   Zeichen Wert   Zeichen Wert
a   e   i   o   u  
ga   ge   gi   go   gu   gẹ
ha   he   hi   ho   hu   hẹ
la   le   li   lo   lu   lẹ
ma   me   mi   mo   mu    
na   ne   ni   no   nu   nẹ
gwa   gwe   gwi   gwo   gwu   gwẹ
sa   se   si   so   su   sẹ
da   de   di   do   du   dẹ
dla   dle   dli   dlo   dlu   dlẹ
dza   dze   dzi   dzo   dzu   dzẹ
wa   we   wi   wo   wu   wẹ
ya   ye   yi   yo   yu   yẹ


ka   hna   nah   s   ta   te   ti   tla

Die Aussprache der rechten Spalte ist nach Lepsius Standard-Alphabet angegeben.
Das Zeichen s dient zur Bildung der Mischlaute st, sd, sk, sg, sgw; nah ist ein eigenes Wort;
das Zeichen für hna soll wahrscheinlich die Aspriration von n anzeigen.
Sonst ist die Aspiration, welche auch vor anderen Lauten, wie 'k, 'g, 'gw, 'y, 't gehört wird, von Segwoya unberücksichtigt geblieben.
Auch unterscheiden andere zwischen tl und dl und zwei l, von denen das härtere mit dem wallisischen ll verglichen wird.
Die vorstehenden Zeichen sind nach Schoolcraft's Tafel revidiert worden.

Auszug aus www.indianer.de von Annett und Tina:

Sequoya (Segwoya), der eigentlich Sikwayi (oder Georg Guess) hiess, ist der Begründer des Cherokee-Alphabets. Er wurde 1760 als Sohn einer Cherokee und eines deutschen Händlers geboren und indianisch erzogen. Über seine Kindheit ist nur bekannt, dass er sich auf Grund eines Jagdunfalls eine lebenslange Körperbehinderung zuzog. Er verdingte sich als Jäger und Pelzhändler und arbeitete in einer Silbermine. Als Unterzeichner von Verträgen und anderen Urkunden erschien er erstmals 1816.
Sequoya ahnte wahrscheinlich, dass Bildung für seine Leute sehr wichtig sein künnte, also stellte er 1809 ein eigenes Alphabet zusammen. Er dachte, ein gebildeter Indianerstamm habe bessere Chancen und mehr Möglichkeiten den Weissen gegenüber. Als er sich auch durch den Spott und die Widerstände seiner eigenen Leute nicht von seiner Arbeit abbringen liess verdächtigten die Cherokee ihn der Hexerei und verbrannten seine Hütte sowie seine gesamten Aufzeichnungen.
Enttäuscht verliessen Sequoya und eine Gruppe Cherokee nun das Gebiet ihres Stammes und liessen sich in Arkansas auf der anderen Seite des Mississippis nieder. 1821 kehrte Sequoya zum Hauptstamm zurück und brachte seinen ungläubigen Stammesgenossen eine geschriebene Botschaft der Arkansas-Gruppe.
Er hatte ein Alphabet mit eigenen, lateinischen und griechischen Buchstaben entwickelt, doch es hatte nie die Bedeutung des Alphabets der Weissen.
Dies Alphabet umfasste 85 Buchstaben, davon waren fünf Vokale, einer repräsentierte das s, der Rest stand für Silben, die allesamt aus einem Konsonanten und einem Vokal bestanden.
Nachdem Sequoya sein Alphabet vorgeführt hatte, erklärten sich die Häuptlinge dazu bereit, es zu erproben. Diese Erprobung wurde ein grosser Erfolg und schon nach wenigen Monaten konnten die meisten Cherokee des Stammes lesen und schreiben.
Bereits 1828 erschien die erste Zeitung in der Cherokee-Sprache, sie hiess "Cherokee Phoenix".
Da Sequoya seine Aufgabe nun erfüllt sah, ging er wieder nach Arkansas. Dort wollte er ein Universal-Alphabet für Indianersprachen schaffen, doch das entpuppte sich als undurchführbares Unterfangen.
Als er dann von einer Gruppe Cherokee hörte, die einst nach Mexiko gewandert waren, machte er sich auf um deren Geschichte zu erforschen. Von dieser Reise kehrte Sequoya nicht zurück. Er starb 1843.
Sequoya´s Alphabet war für die Bewahrung der Traditionen des Volkes der Cherokee von grosser Bedeutung, weil sie nun unter anderem Rituale und Zeremonien (die vorher nur mündlich überliefert wurden) aufschreiben und sie so den Nachkommen ihres Volkes hinterlassen konnten.


Verzeichnis nordamerikanischer "Indianer"-Kulturen/-Stämme/-Gruppen/-Nationen