Deseret- oder Mormonen-Alphabet   19. Jh.
Das unten abgebildete Alphabet wird das "Deseret-Alphabet" genannt. Es ist ein Versuch des Mormonen-Kirchenführers Brigham Young, die englische Sprache mit einem phonetischem Alphabet den vielen Einwanderen in das Salzseetal in Utah, die aus verschiedenen Nationen stammten, näher zu bringen. Er wollte damit die Einigkeit unter den Mitgliedern der Gemeinde stärken, indem sie schneller Englisch lernen sollten.  Im Oktober 1853 begann ein Komitee dieses Alphabet zu entwickeln. Es lehnt sich teilweise an Pitmans Kurzschrift an. Es wurden Schulbücher im damaligen Staat Deseret (heute Utah) und erst 1869 auch das Buch Mormon mit diesem Alphabet gedruckt. Aber es hat mit dem Buch Mormon sonst überhaupt nichts zu tun.
Bald stellte man allerdings fest, dass das neue Alphabet mehr Probleme schaffte als Vorteile und es wurde wieder abgeschafft. Man könnte diesen Versuch mit der Kunstsprache Esperanto vergleichen, die ebenfalls ein Versuch darstellte, Menschen verschiedener Herkunft in Europa zusammen zu bringen.
Insider der am 6. April 1830 gegründeten Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) weisen ausdrücklich darauf hin, dass das Buch Mormon unabhängig vom Manuskript Spauldings veröffentlicht wurde. Es wird oft behauptet, dass ein gewisser Sidney Rigdon das Buch Mormon hauptsächlich für Joseph Smith verfasst habe, nach einem Roman von Solomon Spaulding ("Manuscript Found" oder "Manuscript Story"). Tatsächlich ist jedoch kein Hinweis bekannt, das sich Sidney Rigdon und Joseph Smith gekannt haben, bevor das Buch Mormon am 29. März 1830 herausgegeben wurde. Sidney Rigdon hörte von Joseph Smith erst, als ihm Parley P. Pratt eine Kopie des Buches Mormon im Oktober 1830 überreichte. Solomon Spauldings Manuskript wurde erst um 1880 entdeckt und hat keinerlei Ähnlichkeit mit dem Inhalt des Buches Mormon.

Frank Huonker, 2006


Carl Faulmann schrieb 1880 in einer Veröffentlichung, der auch die unten abgebildeten Zeichen entnommen sind:

"Mormonen oder "Heilige des jüngsten Tages" (Latter-Days-Saints) heißt eine Sekte in Nordamerika, die sich, nachdem sie aus den amerikanischen Städten vertrieben worden war, in der unbewohnten Gegend an den Salzseen niederließ und dort einen eigenen Staat gründete, der bereits über 100.000 Seelen zählt.
Der Ursprung dieser Sekte wird auf einen gewissen Salomon Spaulding zurückgeführt, der 1810 ein absurdes Werk über die Abkunft der Indianer von den verbannten Israeliten verfasste und damit als einer angeblichen Übersetzung einer alten Handschrift Geld zu machen hoffte.
Eine Abschrift dieses Werkes kam 1828 in die Hände des Joe Smith, welcher dadurch auf den Gedanken kam eine neue Sekte zu gründen, deren Bibel das erwähnte Werk wurde. Er behauptete ein gewisser Mormon habe im Jahre 400 die alten Bücher gesammelt und in "neuägyptischer" Schrift auf metallene Platten geschrieben. Ein Engel habe ihm am 22. September 1823 in einer steinernen Kiste auf einem Hügel bei Manchester ein Bündel goldener Platten gezeigt und später auch zwei in Silber gefasste Steine gegeben, mit denen er die Geheimschrift jener Platten entziffert habe.
Das unten dargestellte, ganz willkürlich gebildete und speziell für die englische Sprache erfundene Alphabet hatte offenbar keinen anderen Zweck, als durch die Fremdartigkeit der Zeichen die Täuschung zu verstärken, die bei leichtgläubigen Menschen mit Mormon's Buch beabsichtigt wurde.
Das Spezielle an dieser Schrift ist der Versuch bestimmte Zeichen für alle englischen Laute ohne Rücksicht auf die herkömmliche Orthographie und genau der Aussprache entsprechend aufzustellen.
Mit besserem Erfolg wurde diese Idee später von Pitman und Ellis ausgeführt."


langes a   langes, geschlossenes o   h   g   ch
kurzes a   kurzes, getrübtes o   p   f   r
langes e   langes u   b   v   l
kurzes e   kurzes u   t   th (thin)   guturales m
langes i   ai   d   th (thy)   n
kurzes i   au   tsch   s   guturales n
langes, offenes o   wu   dch   z      
kurzes, offenes o   y   k   sch      

Links:
  Mormonentum* Wikipedia.org
  Die Mormonen* mormonen.de