Tartessisch, Turdetanisch   (Spanien; frühe Antike)
Die vorrömische turdetanische Schrift aus der andalusischen Tiefebene Südspaniens hat ihren Namen von dem antiken Volk der Turdetaner, im Bereich der Mündung des Flusses Guadalquivir auch Tartessier genannt. Auf einer Insel zwischen den Mündungsarmen des Guadalquivir (<= arabisch; griech. = Tartessos; röm. = Baetis) hatten die Turdetaner schon in der zweiten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. eine Handelsniederlasung gegründet, die sich im Laufe der folgenden Jahrhunderte zu einer blühenden Hafenstadt entwickelte und Tartessos genannt wurde und mit dem Tharschisch des Alten Testamentes identisch ist.
Die ersten nachweisbaren überseeischen Handelspartner der Tartessier waren die Phönizier aus Tyros, welche Silber und Zinn aus Tartessos bezogen. Die Phönizier unterhielten schon um 1150 v. Chr. in Gadir (dem heutigen Cádiz), ganz in der Nähe der Flußmündung, einen Stapelplatz zum Abtransport der Güter. Später lernten die Griechen auf ihren Fahrten ins westliche Mittelmeer im 7. Jh. v. Chr. Tartessos kennen und unterhielten über ihre Kolonie Mainake (bei Málaga) rege und über lange Zeit friedliche Handelskontakte mit Tartessos. Ab dem 6. Jh. v. Chr. begannen die spätphönizischen/punischen Karthager ihr Handelsmonopol im Westen zunehmend auch mit kriegerischen Mitteln zu festigen und zerstörten schließlich um 500 v. Chr. Tartessos, womit die führende Rolle der alten Handelsstadt auf das benachbarte karthagische Gadir überging.
Aus der Blütezeit Tartessos sind bis heute keine schriftlichen Zeugnisse entdeckt worden, man weiß aber aus antiken Quellen, dass es eine tartessisch-turdetanische Schrift (nicht zu verwechseln mit der späteren Bastulo-Turdetanischen Schrift) gegeben hat, die offenbar weit verbreitet war. Der griechische Geograph Strabon bezeichnete um die Zeitenwende die Schrift als 6000 Jahre alt. Es gibt allerdings keine wissenschaftlichen Belege für ein so hohes Alter der Schrift und dies ist auch relativ unwahrscheinlich, dennoch ist jene frühe antike Schrift immerhin so vital gewesen, dass noch um 200 v. Chr., also 3 Jahrhunderte nach der Zerstörung von Tartessos durch die Karthager, Münzen mit Legenden aus turdetanischen und römischen Schriftzeichen geprägt worden sind.
Wegen der Seltenheit des turdetanischen Schriftmaterials konnten bisher nur die 10 unten abgebildeten Zeichen sicher identifiziert werden.
Die turdetanischen Schriftzeichen haben Ähnlichkeiten mit den Schriftzeichen des antiken Numidien. Jedoch fanden sich, außer in der Numismatik, bisher keine historischen oder archäologischen Beweise für eine Verbindung zu den nordafrikanischen Numidern und sie scheinen schriftgeschichtlich älter als die numidischen Schriftzeichen zu sein.

Zeichen
Wert
 
Zeichen
Wert
 
Zeichen
Wert
 
Zeichen
Wert
 
Zeichen
Wert
alpha
 
g
 
       
u
 
        
l
 
       
s
b
 
d
 
k
 
n
 
         
t


Literatur:
Alvar, J./Blázquez, J. M. Los enigmas de Tarteso. Madrid, 1993

Haarmann, H. Universalgeschichte der Schrift, Frankfurt a. M./New York, 1990

Martin Ruiz, J. A. Catálogo documental de los fenicios en Andalucía. Cádiz, 1995

Zyhlarz, E.: Die unbekannte Schrift des antiken Südspaniens, in: Zeitschrift der deutschen morgenländischen Gesellschaft 88, 1934

Nordiberisch:
    Keltiberisch
    Levantinisch-Iberisch

Südiberisch:
    Bastulo-Turdetanisch
    Gräko-Iberisch
    Südlusitanisch
    Südostiberisch


Phönizisch
Altgriechisch
Karthagisch/Punisch
Numidisch