Ishango-Knochen   ca. 7.000 v. Chr.
Besondere Aufmerksamkeit erregt der sog. Ishango-Knochen, benannt nach dem Fundort Ishango, einem kleinen Fischerdorf in Zentralafrika (früher Zaire, jetzt Demokratische Republik Kongo, an der Grenze zu Uganda). Er wurde 1960 bei systematischen Grabungen von dem belgischen Archäologen Jean de Heinzelin de Braucourt (1920–1998) in einer durch einen Vulkanausbruch verschütteten Gegend entdeckt. Das sehr wertvolle Artefakt wird jetzt im Königlichen Museum der Naturkunde in Brüssel aufbewahrt.
Der versteinerte Knochen hat mannigfache Studien und Spekulationen ausgelöst. Er ist knapp 10 Zentimeter lang und ist an einem Ende mit einem Quarz besetzt. Die C14-Datierung des Knochens ergibt Werte von 20.000 bis 25.000 vor heute; Angaben aus dem Fundkontext datieren auf 6500 bis 9000 vor heute. Möglich ist, dass die Ritzungen auf einem bereits fossilisierten Knochen angebracht wurden. Die Einritzungen sind deutlich in drei Spalten und in Gruppen angeordnet und besitzen eine mathematische Struktur. Dazu gibt es zum Teil sehr unterschiedliche Theorien, wie innere mathematische Logik, mathematische Spielerei mit „Zahlen“, Astronomie, konkretes Zählen, Menstruationskalender, Mondkalender.

Eine genauere Betrachtung zeigt Folgendes: Die Kerben sind in drei Spalten angeordnet. Die erste und dritte Spalte haben jeweils die Summe 60, die zweite/mittlere hat die Summe 48. Die erste Spalte enthält die Primzahlen 11, 13, 17, 19. Die dritte Spalte zählt 11, 21, 19, 9. Die mittlere Spalte zählt (3, 6), (4, 8), (9, 1), (5, 5), 7.
Ein 1937 in Mähren (Tschechien) gefundener Wolfsknochen aus dem Magdalenien (ca. 15.000-11.000 v. Chr.) weist 55 Einkerbungen auf, fünf Gruppen mit jeweils 5 kurzen und sechs mit je 5 langen Kerben. Dieser Knochen ist zwar vermutlich älter, ist aber nicht so diffizil strukturiert und wird daher meist nicht als von mathematischer Art betrachtet. So wird der Ishango-Knochen als das bisher älteste bekannte mathematische Dokument betrachtet. Die Diskussion hält jedoch an, zumal kürzlich bei Ausgrabungen in Sachsen-Anhalt Elefantenknochen mit Ritzungen gefunden wurden, die nach Aussagen von Archäologen vom homo erectus vor ca. 370.000 Jahren stammen, deren Deutung steht jedoch noch aus.

Ritzspuren auf dem Ishango-Knochen