Ein Relief der Isis im Tempel von Dendera, erkenntlich am Thron auf ihrem Haupt. Die Pigmentreste zeigen die typische Farbenfreude der alten Ägypter.

(Foto: Stan Kurowski - www.eternalegypt.co.uk)
 

Isis war die Gattin des legendären ägyptischen Gottkönigs Osiris.

Der böse, eifersüchtige Seth tötete seinen Bruder Osiris und zerstückelte den Körper in 39 Teile. Jedes vergrub er in einer der 39 (heute 42) Provinzen des Landes. Die "Juwelen der Familie", wie die Franzosen das nennen, verschlang ein Fisch.

Isis wanderte durch das gesamte Reich, sammelte die Körperteile wieder ein und brachte sie zu Anubis, dem Schakalgott. (Eigentlich frisst der Schakal ja Leichen, aber man wollte ihn mit der Ernennung zum Gott der Mumifizierung wohl davon abbringen.) Der band die Körperteile mit einem Baumwolltuch zusammen. Hier liegt der Ursprung des Einwickelns von Mumien als Zeichen der Wiedergeburt.

 

Als Göttin hatte Isis Flügel. Sie breitete diese aus und fächelte Osiris damit den Hauch des Lebens zu. Osiris erwachte zum Leben, zeugte mit Isis den zukünftigen Sohn Horus und verschied nach wenigen Sekunden. Horus wuchs heran und rächte seinen Vater, indem er Seth tötete. Seth wurde Gott der Unterwelt. Das Zufächeln der Luft mit Flügeln wurde dann zur allgemeinen Schutzgeste auch anderer Gottheiten und verschiedener Inkarnationen

Um das ideale, vergöttlichte Pharaonenpaar Isis und Osiris entwickelte sich ein religiöser Kult, der bis nach Rom reichte. Der Isis- und Osiris-Kult wurde noch bis Mitte des 6. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung auf der heiligen Nil-Insel Philae zelebriert. Reliefs der berühmten Legende sind immer noch in den Tempeln zu bewundern. Allerdings stehen diese inzwischen auf der Insel Agilkia, wohin sie ebenso wie Abu Simbel "verpflanzt" wurden. Ihre ursprüng-lichen Plätze bedecken jetzt die Fluten des Nasser-Stausees.

 


Isis in der Gestalt eines Falken auf dem Leib des Osiris im Tempel von Abydos. Die Hyroglyphe mit ihrem Namen neben dem Kopf zeigt, dass Isis dargestellt ist. (Foto: Stan Kurowsk - www.eternalegypt.co.uk)

 

Der griechische Historiker Herodot schrieb, dass nach einer alten ägyptischen Legende der Nil aus den Tränen der Isis entstand, die sie um ihren geliebten Osiris weinte. Daher war auch die Suche nach den Nil-Quellen im alten Ägypten bei Strafe der Götter verboten.

Ägyptische Juweliere fertigen Anhänger mit Darstellungen der Isis nach dem Vorbild alter Tempelreliefs in dem landesüblichen 18karätigen Gold oder in Silber. Sie gehören zu den geschmackvolleren, wenngleich aufwendigeren Reiseandenken vom Nil. Der Gold-Stempel zeigt übrigens die Zahl 18 in sogenannten "arabischen" Ziffern. Sie stammen in Wirklichkeit aus Indien. Der Beweis ist, dass sie auch im Arabischen - das ja sonst von rechts nach links geschrieben wird - wie in Indien von links nach rechts geschrieben werden. Sie heißen bei uns nur arabisch, da die Araber sie zu uns brachten.(Foto: KGM)

 

 
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Klaus G. Müller, 2007


Tod und Jenseits im alten Ägypten - Das Fest nach dem Gericht* (Uni Bern)
 

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